Potsdam & Schloss Sanssouci

Unterwegs mit Womy

Schlosspark mit großer Geschichte

Potsdam und Sanssouci verbinden Architektur, Parklandschaft und preußische Geschichte zu einer Etappe, bei der es hinter jeder Wegbiegung etwas Neues gibt.

Gut zu wissen: Sanssouci bedeutet sinngemäß „ohne Sorge“. Nach mehreren Kilometern durch den Park betrifft das allerdings nicht zwingend die Füße.

Am frühen Morgen machten wir uns mit einem Uber-Taxi auf den Weg zum Potsdamer Hafen. Nach einem leckeren Cappuccino und einem kleinen Frühstück kauften wir Karten für eine Schlösserrundfahrt mit dem Schiff „Sanssouci“. Das Unterdeck war wunderschön eingerichtet, aber bei dem guten Wetter zog es uns natürlich zuerst nach oben. Vom Oberdeck hatten wir den besten Blick auf die Havel, die bewaldeten Ufer und die vielen Villen, Parks und Schlösser entlang der Strecke.

Während das Schiff ruhig über das Wasser glitt, erfuhren wir über die Lautsprecher immer wieder Spannendes zu den Gebäuden, an denen wir vorbeikamen. Potsdam vom Wasser aus zu entdecken, war ein richtig schöner Einstieg in den Tag: entspannt, abwechslungsreich und ganz ohne Parkplatzsuche. Besonders reizvoll ist dabei, wie selbstverständlich hier Natur und Geschichte ineinander übergehen. Hinter fast jeder Uferbiegung tauchte schon das nächste sehenswerte Gebäude auf.

Ein besonderer Moment war die Fahrt unter der Glienicker Brücke hindurch. Die Brücke verbindet Potsdam mit Berlin und lag während der deutschen Teilung genau an der Grenze zwischen Ost und West. Weltweit bekannt wurde sie im Kalten Krieg als Schauplatz mehrerer Agentenaustausche: 1962, 1985 und zuletzt am 11. Februar 1986 wurden hier Gefangene und Spione zwischen Ostblock und Westen ausgetauscht.

Vom Schiff aus wirkte die Brücke zunächst erstaunlich unspektakulär. Wenn man ihre Geschichte kennt, schaut man aber automatisch ein zweites Mal hin. Vielleicht kam sie uns auch deshalb so vertraut vor: Wer den Film „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks gesehen hat, kennt diesen geschichtsträchtigen Ort. Heute fahren Autos, Fahrräder und Spaziergänger ganz selbstverständlich darüber – ein schöner Kontrast zu der Zeit, in der die Brücke streng bewacht und für die meisten Menschen unpassierbar war.

Nach rund 90 Minuten war die schöne Fahrt zu Ende, und wir machten uns zu Fuß auf den Weg durch Potsdam. Unsere erste Station war der Alte Markt, das historische Herz der Stadt. Rund um den Platz treffen mehrere Epochen aufeinander: die mächtige Kuppel der Nikolaikirche, das Alte Rathaus, das wiederaufgebaute Stadtschloss und weitere repräsentative Gebäude bilden eine beeindruckende Kulisse.

Besonders die klassizistische Nikolaikirche fällt schon von Weitem auf. Ihre große Kuppel prägt die Potsdamer Stadtsilhouette und macht den Platz beinahe monumental. Gleichzeitig merkt man am Alten Markt, wie stark Potsdams Mitte im Zweiten Weltkrieg zerstört und später wiederaufgebaut wurde. Historische Architektur und neue Rekonstruktionen stehen hier ganz selbstverständlich nebeneinander.

Weiter ging es über den Platz der Einheit zur katholischen Kirche St. Peter und Paul. Mit ihrem markanten Turm erinnert sie ein wenig an italienische Kirchen – zwischen den preußischen Fassaden ein überraschender Anblick. Anschließend schlenderten wir durch die Brandenburger Straße. Die Fußgängerzone mit ihren kleinen Geschäften, Cafés und restaurierten Häusern führt schnurgerade zum Potsdamer Brandenburger Tor. Es wurde bereits vor seinem berühmten Berliner Namensvetter errichtet und bildet einen schönen Abschluss der Altstadt.

Von dort aus ging es weiter in den weitläufigen Park Sanssouci. Schon beim Betreten wurde uns klar, dass ein kurzer Abstecher diesem Ort eigentlich nicht gerecht wird. Zwischen alten Bäumen, Sichtachsen, Brunnen und gepflegten Gartenanlagen verteilen sich mehrere Schlösser und historische Gebäude. Der Park wirkt dabei nicht wie ein gewöhnliches Museumsgelände, sondern wie eine eigene kleine Welt.

Das bekannteste Bauwerk ist natürlich Schloss Sanssouci, das Friedrich der Große im 18. Jahrhundert als Sommersitz errichten ließ. Der Name bedeutet sinngemäß „ohne Sorge“ und passte zu seinem Wunsch nach einem privaten Rückzugsort abseits des strengen Berliner Hoflebens. Das vergleichsweise niedrige, lang gestreckte Schloss thront über den berühmten Weinbergterrassen und wirkt trotz seiner Bedeutung fast überraschend persönlich.

Gerade die Terrassen machen den Blick auf Sanssouci so besonders. Weinreben, verglaste Nischen und die breite Freitreppe führen hinauf zum Schloss. Oben befindet sich auch die Grabstätte Friedrichs des Großen, auf der Besucher traditionell Kartoffeln ablegen. Rundherum setzt sich die Parklandschaft mit weiteren Höhepunkten fort – darunter das Neue Palais, das Chinesische Haus, die Orangerie und die Friedenskirche. Der Park wurde im 18. Jahrhundert unter Friedrich II. begonnen und im 19. Jahrhundert unter Friedrich Wilhelm IV. erweitert.

Uns beeindruckte vor allem die Größe des gesamten Areals. Hinter jeder Wegbiegung wartete ein neuer Blick, ein anderes Gebäude oder wieder eine völlig neue Gartenstimmung. Hier könnte man problemlos einen ganzen Tag verbringen – vorausgesetzt, die Füße spielen mit. Der Name „ohne Sorge“ passte nach den vielen Kilometern jedenfalls eher zur königlichen Idee als zu unseren Beinen.

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1 Kommentar
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Friedel
Friedel
6 Jahre vor

Super schön Deine Berichte und Bilder mit Kurzkommentaren!